Der Einheizer 2007

Unser jährlicher Kommentar zum Stand der inzwischen 100jährigen Branche.
 
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Die Themen 2007:
  1. Brot oder Sprit
  2. Hydraulischer Abgleich
  3. Immernoch: Heizungsregler - wie der PC vor 25 Jahren

Brot oder Sprit

Ich nenne es die neue Nahrungskonkurrenz, andere nennen es Biomassse oder nachwachsende Rohstoffe oder die Rettung unserer künftigen Mobilität.
Was steckt dahinter?

  • Einmal die Regierung. Die will nämlich unbedingt die Biomasse verspritten, weil man damit von bisher brachliegenden Feldern auf einfachste Art jede Menge Steuern einsacken kann - statt Stilllegungsprämien dafür zu zahlen: Energiesteuer und darauf noch mal die neue 19%-Mehrwertsteuer.
  • Dann die Hersteller: Also Bauern, Verteiler, Düngemittelhersteller, Pestizidlieferanten, Autohersteller, Energiekonzerne, etc...
  • Dann die Autofahrer, oder?

Wie gehts weiter?

Die langfristigen Folgen des gesteigerten und subventionierten Verheizens von Nahrungsmitteln oder (früher auch schon mal Lebensmittel genannt :-) sind ganz anderer Natur.
      Ich halte nicht viel vom kirchlich erhobenen Zeigefinger dagegen, aber der historisch gewachsenen Hemmschwelle, Lebensmittel zu verheizen, liegt eben diese Erfahrung zu Grunde: Lieber satt frieren als hungrig beheizt wohnen. (In Zeiten üppig sprudelnden Mineralöls und automatischer Heiz- und Lüftungssysteme können wir uns das gar nicht so gut vorstellen.)
 
Wenn wir jetzt aber vermehrt zulassen, dass Lebensmittel (oder die Anbauflächen für Lebensmittel) zur Energiegewinnung für Maschinen statt zur Energiegewinnung für Menschen genutzt werden, stellen wir den Hunger unserer Maschinen in Konkurrenz zu unserem Hunger:
  • Weil auf dem globalen Markt dann nur noch der bestimmt, der dafür den besten Preis gibt, steigen global alle Lebensmittel mindestens(!) auf das Preisniveau der Energieererzeugung der reichen Länder - denn man könnte ja Öl oder Biogas draus machen. (Schon heute gucken die Bauern ganz genau hin, wer mehr für Ihre Produkte bezahlt - und handeln entsprechend.)
    ==> Das ist heute die Realität. Sie glauben es nicht? Mexiko, Februar 2007: Beitrag in der FR: 'Tortilla-Preis explodiert - und löst eine Krise aus' - weil die US-Wirtschaft den Mais in Ethanol für Autos wandelt und dafür bezahlen kann.
  • Heute schon geht's bei der problematischen Getreideverbrennung eigentlich nur noch darum: 'Wie bekommen wir diese so schadstoffarm verbrannt wie die Pellets, damit wir Getreide endlich als Brennstoff verkaufen können?'.
  • Die traditionelle Landwirtschaft wird über die heutige industrielle Landwirtschaft zur rein industriellen Energieproduktion degradiert, weil erst später bestimmt wird, ob das Produkt gegessen oder verheizt wird.
  • Damit ist auch egal, wie schadstoffrei das landwirtschaftliche Produkt erzeugt wird. Biolandbau - ade, eure Flächen werden gebraucht!
  • Wir können doch Biomasse importieren! Südamerikanische Umweltschützer kritisieren schon heute '...während die Europäer ihre Autokultur festigen, hätten die Menschen in den südlichen Ländern immer weniger Fläche zum Anbau von Nahrung'. (vdi-nachrichten 4/2007)
  • ....das ist eben der Unterschied, wenn man Holz verheizt.

Auch Wachstum ist endlich

Besonders prekär wird das Szenario, wenn der bisher reibungslose Mineralölnachschub durch irgendwelche Hindernisse wie Fördermaxima, Kriege oder einfach Raffgier der Hersteller eingeschränkt würde oder gar versiegen sollte. Wir stehen dann knallhart vor der Entscheidung:
  • können wir zulassen, dass unsere Maschinen so viel von dem bekommen, was wir selber gerne äßen?
  • Die Preise für Energie oder Essen sind dann schon sooo exorbitant hoch, dass sich irgendwelche Lebensmittel nur noch Leute mit satten Golddepots leisten können.
  • Also wird die Frage in Zukunft nicht so falsch sein: geb's ich meinem Auto oder meinen Kindern? Teller oder Tank? Heute ist der Liter Rapsöl (mit Verpackung!) bei Aldi billiger als an der Tankstelle!
  • Das nächste Szenario wäre dann: Was passiert bei einer Missernte? Mais ist heute in den USA schon der meistgefragte Pflanzenrohstoff. Missernten gibts nicht? Hurricanes gibts nicht?

Entscheiden heißt verzichten

  • Es ist also unmoralisch, dass wir zulassen, dass unser Maschinenpark so viel verheizt und damit massenhaft Verluste produziert! Ja, damit spreche ich auch direkt die SUV-Fahrer an :-((
  • Es ist nicht sinnvoll, immer nur auf mehr, sicherere und besseren Energieerzeugung aus Atom, Biomasse, Erdöl, Solarzellen, Windkraft, etc... zu starren - wir müssen uns mindestens gleichwertig darum kümmern, dass unsere Maschinen einfach weniger fressen und saufen.
  • Wir müssen uns statt 'Neuer Energie aus Biomasse' also zu Allererst darum kümmern, ...
    1. dass unsere Maschinen, die uns angeblich das Leben erleichtern, uns nicht selber verhungern lassen.
    2. dass das satte Verschwendungspotenzial, das unser Maschinenpark heute mitbringt, heftigst gezügelt wird.
      Andere nennen das auch Energiesparen, Effizienz erhöhen, oder einfach abschalten...

Mehr Infos:

Nebenbei: Durch das Vorfertigen von Mahlzeiten und Vorabpacken werden schon heute ca. 30% aller Lebensmittel weggeschmissen und auch in den USA 30% der Energie aufs Herstellen von Lebensmitteln verwendet. - Guten Appetit.
 
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Hydraulischer Abgleich

Seit Jahren bewiesen, seit Jahren gefordert - der hydraulische Abgleich ist unverzichtbar!
(Voraussetzung: die Heizung wird teilweise abgesenkt betrieben und hat Thermostatventile.)
Endlich hat's auch das BAFA gemerkt und fordert: Keine Förderung ohne Nachweis des hydraulischen Abgleichs!

Aber wer soll den denn machen?

So sieht die Realität heute draußen aus:

Das ist einer von den Briefen, die hier ständig eingehen:
22.12.2006
Sehr geehrter Herr Beitzke,
 
wir wohnen seit ca. 1 Jahr in einem neu errichteten Einfamilienhaus, dessen Heizung offenbar nicht optimal arbeitet, und suchen nach Rat. Hier einige Angaben zur Heizungsanlage und zum Haus:
  • Viessmann Vitodens 200 (max. 25 kW, Erdgas, Baujahr 2005)
  • (Kessel als) Warmwasserdurchlauferhitzer
  • Heizkörper
  • Umwälzpumpe mit 2 Stufen (70 W und 100 W)
  • Nutzfläche des Hauses: ca. 116 m²
Die Anlage wurde von der Installationsfirma nicht hydraulisch abgeglichen (es wurde behauptet (von Heizungsfirma und Bauleiter), hydraulischer Abgleich sei bei Einfamilienhäusern nicht notwendig und hätte nur Nachteile (Geräusche usw.)). Im Betrieb zeigte sich dann, daß einige Räume nicht warm wurden. Daraufhin wurden von der Heizungsfirma dort größere Heizkörper eingebaut, was das Problem nicht löste. Inzwischen habe ich selber die Durchflussmengen an einigen Thermostatventilen reduziert, woraufhin auch die "Problemräume" warm wurden. Sicherlich würde ein richtiger hydraulischer Abgleich die Bedingungen weiter verbessern.
 
Ein aus meiner Sicht großes Problem: Wir hatten in ca. 1 Jahr etwa 25000 Brennerstarts (bei einer Gesamtlaufzeit des Brenners von ca. 650 h), Teilweise läuft der Brenner nur 30 s, was sicherlich unwirtschaftlich ist.
      Mir ist inzwischen klar, daß unser Brenner mit 25 kW überdimensioniert ist. Ich habe die obere Leistungsgrenze mittlerweile auf den minimal möglichen Wert (ca 10 kW) abgesenkt - das Takten nahm jedoch nur geringfügig ab. Da die Heizungsfirma keinen Rat wusste, wurde ein Viessmann-Techniker hinzugezogen; leider ohne Erfolg (ein Check der Anlage mittels PC ergab keinen Fehler; der Techniker empfahl lediglich, die Pumpenleistung auf 100 W zu erhöhen; Zitat: "Die Heizung kriegt sonst das warme Wasser nicht weg und schaltet gleich wieder ab"). Nach einem Testlauf mit 100 W habe ich die Pumpenleistung jedoch wieder auf 70 W reduziert.
      Meine Frage: Liegt hier nur ein Einstellungsproblem vor? Wenn ja, was wäre aus Ihrer Sicht jetzt notwendig?
 
Mit freundlichem Gruß
*** ***

Hier siegten ganz klar der Kalkulator der Fertig-Baufirma mit dem Dösbaddel des Heizungsbauers über jeden sinnvollen Energieinsatz: 'Lieber einen 25kW-Gasdurchlauferhitzer in ein Haus bauen, das 4kW Wärmebedarf hat; dafür sparen wir den Speicher. Solar ist eh zu teuer.' Der Bauherr zahlt nicht nur Jahrzehnte den Kredit an die Bank zurück, sondern auch über die Lebensdauer dieser Heizung den sicherlich 3fachen Preis für die Wärme. Es lebe das Innovationsland Deutschland - es ist eine Schande. So was kann man nur rausreißen :-/
 
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Immernoch: Heizungsregler - wie der PC vor 25 Jahren

Dazu habe ich 2002 einen Kommentar geschrieben, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Es hat sich in 5 Jahren nämlich nichts geändert. Es ist vielleicht sinnvoll, ihn noch mal zu lesen. Der einzige Hersteller, der so was hatte und konnte(!), musste seine Produktion mangels Masse einstellen. Deshalb wollen wir da mal anders dran gehen.

Es geht um den Browser-bedienbaren Heizungsregler

In der riesigen Menge der angebotenen Heizungsregler kocht jeder Hersteller ohne einen erkennbaren Standard sein eigenes Süppchen. Es gibt eigentlich nur die stillschweigenden Übereinkünfte, dass
  1. Die Bezeichnung 'Temperatur' auch überall so heißt :-)
  2. die Regelstrategie Vorlauf/Außentemperatur-geführt ist,
  3. es eine Kennline gibt, die man manuell einstellen muss: 'Steilheit'
  4. es eine manuelle Parallelverschiebung dieser Kennline gibt: 'Anhebung '.
  5. es Mischer geben muss, um System-Temperaturen anzupassen.
Danach greift eine chaotische Bezeichnungsvielfalt um sich (selbst in einer einzigen Bedienungsanleitung), weil jeder die dahinter liegenden Parameter mit eigenen Begriffen versieht.
Der Erfolg ist, dass
  1. ...fast kein Heizungsbauer einen neuen Regler kunden- oder gebäudespezifisch einstellt. Warum auch? Er muss ja erst 100 Seiten Handbuch lesen. Da schreibt er lieber Rechnungen. Der Energieverbrauch seiner Kunden interessiert ihn sowieso nicht besonders. Realität: 90% (?) aller Heizungsregler laufen im Auslieferungszustand über Jahre.
  2. ...fast kein Betreiber/Bauherr sich dann dran traut, weil er 'unbeabsichtigt was verstellen könnte' und weil er sich durch 3 Ebenen und 100 Menuepunkte quälen muss, die er selbst mit Brille im dunklen Keller auf dem kleinen Display (natürlich ohne Hintergrundbeleuchtung!!) nicht gut erkenen kann. Onlinehilfe gibts nicht.
  3. ... er dann nicht weiß, was die Fachbegriffe bedeuten und dann bewirken, weil man sie nicht wie gewohnt mit ALT+TAB (am PC sitzend) mal bei Google suchen oder sich bei Wikipedia erklären lassen kann.
  4. ... dass der Heizungsbauer wegen immer neuer Fluten undurchschaubarer Elektronik lieber bei seinem altbekannten Hersteller bleibt: also soll sich auch nichts ändern.
  5. Das Tollste ist, dass selbst eine deutschlandweit bekannte Heizungsfirma voll-programmmierbare Regler in ihren neu gebauten Anlagen auslieferte, der Ingenieur aber kein Programm erstellte oder lud und die recht gefräßigen Anlagen über Jahre im Handbetrieb nudelten. Die können es also auch nicht. Keiner merkte was: Bauherr, Mieter, Eigentümer, Kaufmann.
    (Never say Four-Letter-Words).
Es gibt aber Lichtblicke im Tunnel.
Es gibt schon einige Kleinregler, die über eine undokumentierte eigenbrödlerische Schnittstelle angesprochen werden können. Meist ist das ein Bus oder eine Infrarot-Strecke, an die man auch einen Raumregler mit einigen Anzeigen und Knöpfen anschließen kann.
Aber wozu ein Bus?
Ich habe doch wie alle meinen Bildschirm, mein LAN (Hausnetzwerk), meinen Internetanschluss? Da kann ich mir doch alles im Browser ansehen? Oder wird der schwarz, wenn da ein Heizungsregler daran ist? :-))
Da kommt der ungute Verdacht auf, dass die Hersteller uns nur ihre eigene teure Hardware verkaufen wollen? Oder?

Wir suchen Hacker!

Bei dem oben angesprochenen anderen Weg können uns sicher Leute helfen, die Erfahrung mit lokalen Bus-Systemen haben. (RS 232, RS 422, RS 485, c-Bus, etc...).
Dazu haben wir eine Koordinationsstelle eingerichtet, die Ihre Mitarbeit zu jeder Art Heizungsregler und Hersteller gerne annimmt. Mailadresse.
Außer Ehre versprechen wir erstmal nichts. Das soll sich aber ändern.
 
Was soll gehackt werden?
Fast alle heutigen Regler haben schon Datenschnittstellen - mindestens zum Testen. Die Firmen sind so nett, das Protokoll herauszugeben (meist aber nicht). Ein Anschluss kostet dann eben 300 Euro.
Wir wollen einen Zugang zu allen Einstellungen finden mit dem Ziel, diese dann browserbasiert anzusprechen.

Längst überholt

Die Heizungsregler-Hersteller schlafen tief.
Wenn Sie aufwachen, sollten sie sich nicht wundern, was andere in der Zeit geschaffen haben:

So könnte es sein

  • Der Heizungsregler ist ein Kasten mit Steckverbindern für Sensoren und Aktoren und einem Kommunikationszugang. Dieser hat eine RJ45-Buchse und läuft mit TCP/IP.
  • Kein Display, kein Knopf, kein Schalter. Ok, eine LED: 'Betriebsbereit'.
    Das kommt jedem Heizungsbauer entgegen, denn dann kann und muss er dort nichts mehr einstellen. :-))
  • Mit einem Patchkabel wird die Steuerung mit dem LAN verbunden und ist über Ihre IP erreichbar. Selbst über Stromkabel kann man das heute schnell verwirklichen: Devolo.
  • Beim Ansprechen über seine Webadresse gibt der Regler die Regler-Startseite aus, die in seinem Speicher liegt.
  • Schon kann man menuegeführt seine Einstellungen vorgeben und testen.
  • Die integrierte Datenloggerfunktion lässt sich auf alle Varibalen anwenden und einzeln an- und abschalten.
  • Eine Archivierungsfunktion kann Dateien damit automatisch aktualisieren.
Alles keine exotischen Forderungen: echte Datenlogger und PC-Periferiegeräte können das schon seit 10 Jahren.
Nebenbei: Brauchen wir das denn noch, wenn Öl, Gas und Holz in 5 Jahren nur noch rationiert zu haben sind?
 

Energiesparen ist eine sofort einsetzbare Ressource. Alle Techniken sind vorhanden!


      Viel Erfolg beim Sparen, Ihr Dietrich Beitzke
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Seite erstellt am: 28.1.2007, letzte Änderung 17:01 16.4.2012, Montag