Der Einheizer 2010

Unser jährlicher Kommentar zum Stand der inzwischen 100jährigen Branche.
 
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Die Themen 2010:
  1. Kurzsichtig
  2. Ignorante Versorger
  3. Trend zur Stromheizung

Kurzsichtig

Die letzten Jahre haben uns viel Arbeit beschert. Dabei hat sich auch der Durchblick ein wenig verbessert, so dass wir ohne Nebelschwaden auf die Heizungslandschaft sehen können.
Wir danken unseren Kunden und Handwerkern, dass wir die letzen Jahre so viel Objekte erfolgreich sanieren konnten. Bei den bisher sanierten Objekten haben wir die Energieverbräuche immer kontrolliert und klimakorrigiert nachvollzogen, um den Auftraggebern die Einsparungen zu zeigen. Meist liegen sie bei mehr als 30% des Vorverbrauchs innerhalb 3 Jahren vor der Sanierung.
 
Hier also zwei Geschichten aus dem Alltag.
 
Eine Eigentümergemeinschaft muss entscheiden, ob sie dem 10.000 Euro billigeren Angebot der Firma M oder dem teureren der Firma N den Vorzug gibt. Die Anlage ist eine gasbeheizte Einrohranlage.
Die Firma M sagt, sie erreiche 30% Einsparung, die Firma N kann nachweisen, dass sie bei Sanierungen nach Vorgabe unseres Konzeptes bisher immer mehr als 30, ja meist 40% erreicht hat. Alle Zahlen von N beruhen auf Ablesungen der Gaszähler und auf weiterhin gleichem Verbrauchsverhalten der Nutzer. Firma M kann dazu keine weiteren Angaben beibringen.
 
Wir haben dazu in einer Mail eine kleine Rechnung aufgemacht und die Preissteigerung des Weltöpreises als Maßstab genommen. Der beträgt ziemlich genau 8% pro Jahr. Vereinfachend haben wir nur 7%pa angenommen, bei dem Wert verdoppeln sich die Preise alle 10 Jahre.
 
Sehr geehrte Beiräte,
 
sie waren letztlich über die Aussage der 30% Einsparung der Firma M. erstaunt.
Wir erreichen aber mit unserem Konzept meist 40% und mehr.
 
Ich will Ihnen gerne erklären, wie ich dazu komme, darauf herumzureiten, das Maximum herauszuholen:
 
Bei Objekten, die vor Sanierung 1000 MWh/a (1GWh/a) Gas brauchten, die im Privatbereich heute mit typischerweise 70000 Euro eingekauft werden, heißen
  • 30% Einsparung = 21000 Euro weniger pa
  • 40% Einsparung = 28000 Euro weniger pa.
7000 Euro Differenz sehen wenig aus.
Linear gerechnet bei gleichbleibenden Preisen in den 20 Jahren sind das 140000 Euro Unterschied.
Schon besser.

 
Bis jetzt habe ich ohne die wahrscheinliche Energiepreissteigerung von ca. 7%pa gerechnet. Nach anliegendem XOI-Langfrist-Chart sind es sogar 8%.
7%pa heißt aber eine Verdopplung in 10a oder eine Ver4-fachung in 20a.

 
Die Heizungssanierung ist ein recht einmaliger Vorgang im Leben eines Gebäudes.
Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die Anlagen nach der Sanierung kurzfristig nochmal angepackt werden.
 
Der Verlust von 10 Prozent-Punkten Einsparung nach einer Sanierung kostet also im Laufe von 20 Jahren nach der Sanierung die Eigentümer aus heutiger Sicht 307.000 Euro! Damit hat die Entscheidung für die schlechtere Sanierung das 30fache der Sanierungskostendifferenz gekostet. Aus der 20-Jahressicht sind die 10000 Euro Differenz der Angebote lachhaft wenig.
 
Die Konsequenz heißt also auch, Fehlsanierungen so schnell wie möglich zu beheben, bevor die Energiekosten die Einzahlungen überholt haben.
 
Fazit:
Sanierung ist zu vergleichen mit einer Geldanlage. Dort kann man genauso leicht kurzfristige (Fehl-)Entscheidungen treffen. Allerdings ist das Ergebnis eines Minderverbrauchs ein realer Wert in Form von Einsparungen und damit veringerten Forderungen - also keine zauberhafte 'Geld'vermehrung durch Wetten aus der spekulativen Finanzwirtschaft.
 
Die heutige Sanierung muss das Objekt aufs Minimum bringen, danach ist es zu spät.
 
In der anhängenden Tabelle können Sie in den blauen Feldern Ihre eigenen Werte eingeben.
 
Mit freundlichem Gruß
*** ***

PS: Was bedeuten 7% pro Jahr?
Um die Verdopplungszeit von solchen Zahlen sichtbar zu machen, teilen Sie 70 durch die prozentuale Veränderung, dann wissen Sie, dann erkennen Sie: Hier also alle 10 Jahre. 2012 liegt die Steigerung schon bei 13%.
 
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Ignorante Versorger

Die Stadtwerke in *** betreiben Heizungsanlagen in Eigenregie.
Zwei ihrer zusammenstehenden Mehrfamilienhäuser wurden mit Außenwanddämmung saniert und so lag die Idee auf der Hand, eine Heizanlage stillzulegen und beide Objekte von einer Heizung zu betreiben. Das wurde von den Technikern der Stadtwerke vor einigen Jahren durchgeführt dafür Lob durch Einsparung erwartet.
Die Zählung des Wärmeverbrauchs fand wie zuvor über die am Heizkörper montierten Verdunster statt.
      Doch die Mieter des neu angeschlossenen Blocks rebellierten, weil sie danach fast doppelte Heizkosten zahlen sollten. Die Mieter des anderen Blocks freute sich, weil ihre Heizkosten den technischen Erwartungen gemäß sanken.
 
Die Fehlersuche bgann. Nachdem die eigenen technischen Experten ratlos die Segel gestrichen hatten, wurden mehrere bekannte ausführende Firmen nach einer Lösung befragt. Die Stadtwerke bemühten sich also von sich aus um eine Klärung des unbekannten Phänomens. Ein externer Ingenieur fand es dann.
 

Grundlagen

Einrohranlagen haben 2 Heizflächen:
  1. den Boden, der dauerhaft durchströmt wird und meist nicht individuell abzustellen ist (Zwangskonsum) und
  2. die Heizkörper, die über die Thermostatventile auch nur fast ganz abgestellt werden können.
Zweirohranlagen haben nur eine Heizfläche!
  • den Heizkörper hinter dem Thermostatventil. Der kann damit ganz abgestellt werden.
Wärmepumpen-Dimensionierung
Wärmeabgabe beim Einrohrsystem [Quelle: minol]

Das Jahr nach dem Umbau: Die Außenwanddämmung der Bauten hatte den Wärmebedarf so weit gesenkt, dass der Block mit Einrohrsystem schon durch seinen unregelbaren Bodenheizungsanteil überheizt war. Die Heizkörper blieben also das ganze Jahr über abgestellt und damit zählten die Verdunster nur einen minimalen Verbrauch. Die Bewohner des Blocks mit dem Zweirohrsystem mussten aber mit ihren Heizkörpern heizen, weil der Bodenheizanteil fehlt - und durften zahlen.
 
Fazit: Wenig schmeichelhaft mussten sich die Experten eingestehen, dass sie ohne nachzudenken eine Einrohr- und eine Zweirohranlage verbunden hatten. Rückmeldung des Versorgers nach der erfolgreichen Diagnose und Nachfragen: Schweigen.
Weil die Verdunster gedankenlos beibeahlten wurden, werden Abrechnungen zur Aufteilung des Wärmeverbrauchs immer ungerecht sein!
Ebenso enthält so eine Heizanlage ein großes Sparpotential. Abhilfe: bei uns.
 
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Trend zur Stromheizung

Der Austausch von Nachtspeicherheizungen schwemmt die Wärmepumpenanlagen in die Objekte. Meist sind das leider Objekte aus den 1970er Jahren, die man wärmetechnisch gesehen besser abrisse.
Aus technischen Gründen kommen hier meist Lut/Wasser-Wärmepumpen zum Einsatz, die bei richtiger Kälte stark an Leistung verlieren. Empfohlen und beworben werden sie zur Altbausanierung, wohl wissend, dass die dort meist vorhandenen Heizkörper die Jahreskosten des Wärmepumpenbetriebes nochmal um 23% nach oben treiben (Zitat Lokale Agenda 21).
      Die Hersteller von den Wärmepumpen arbeiten mit allen mechanischen, kältetechnischen und regeltechnischen Tricks daran, die Einsatzgrenzen zu tieferen Temperaturen zu verschieben, können aber nichts an der physikalischen Gegebenheit ändern, dass kalter Luft eben wesentlich weniger Wärme zu entziehen ist als warmer :-)
Die dann auftretende Vereisung der Wärmetauscher muss elektrisch weggeheizt werden und verschlechtert den Wirkungsgrad bei kaltem Wetter weiter.
 
Ebenso stellen wir bei den Ölheizern resignative Ermüdungserscheinung fest, sich jährlich wiederkehrend mit Ölpreisen, Nachtanken, Ölgeruch im Haus, teuren Wartungen und deutschen Schornsteinfegern herumzuärgern.
Nach einer wärmetechnischen Sanierung der Haushülle sind auch kleinste Ölkessel immer überdimensioniert und Wärmepumpen können deswegen irre Spar-Prozente herausholen! Richtig. Hier liegt das Potenzial!
      Der politische Wille in Deutschland geht heute 100 Jahren Herrschaft der Elektrokonzerne ja dahnin, die Stromerzeugung effektiver zu gestalten: So genannte 'erneuerbare Energiequellen', also Fotovoltaik und Windstromerzeugung sollen bis 2020 50% der Stromerzeugung stellen. Diese Art der Erzeugung war eben zu Beginn der Elekrifizierung zu teuer. Sie erhöht die Stromerzeugungseffizenz auf nahe 100%. Der Nachteil: Sie sie ist wetterabhängig. Aber nur dann ist eine Wärmepumpe sinnvoll und ökologisch! Bei der Wärme-in-Stomumwandlung erreicht die Technik nur maximal 38%.
Mehr zur Herrschaft der Elektrokonzerne in dem Buch von Günter Karweina: Der Stromstaat (von 1984 - antiquarisch).
 
Zur Dimensionierung von Wäremepumpen haben wir im Abo eine kleine Parallele zu unserer 10 Jahre alten Forderung gezogen, auch Kessel und Brenner nur mit einer 90%-Sicherheit gegen die DIN zu dimensionieren.
Erfolg: Einsparungen von 40%. Also das, was die Wärmepumpe -richtig eingesetzt- heute auch schafft.


Energiesparen ist eine sofort einsetzbare Ressource. Alle Techniken sind vorhanden!


      Viel Erfolg beim Sparen, Ihr Dietrich Beitzke
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Seite erstellt am: 22.8.2010, letzte Änderung 09:55 23.10.2011, Sonntag