Der Einheizer 2004

Unser jährlicher Kommentar zum Stand der inzwischen 100jährigen Branche.
 
Andere Kommentare: | 2023 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2003 | 2002 |

 
Die Themen 2004:
  1. Bauernfänger
  2. Neue Kessel?
  3. Isolation!
  4. Netzwerke

Bauernfänger

Nicht jeder bekommt das 'Magazin' von Buderus Heiztechnik. Aber alle Partnerunternehmen und Kunden, sprich Heizungsbauer.
      Darin findet sich in der Ausgabe Frühjahr 2004 auf Seite 7 unter dem Titel 'Alte Heizkessel verfeuern bares Geld', ein Artikel, der mich sehr nachdenklich werden liess: Wie schlecht geht es es der Kesselbranche heute eigentlich, dass sie versucht, zur Verkaufssteigerung die Mathematik zu verbiegen und darauf zu hoffen, dass es keiner merkt?
 
Was ist passiert?
Auf Seite 8 wird Ihnen dort in einem Kasten klargemacht, dass die folgende Gleichung gelten soll:

Abgasverlust * Jahresbrennstoffbedarf = ungenutzt verloren gehende Brennstoffenergie.
Sieht einfach aus, jeder begreift es sofort - denn das soll ja auch so sein, weil der Inhalt des Artikels ist, mehr Überzeugung bei Verkaufsgesprächen rüberzubringen und nicht mit unhaltbaren 40% möglichen Einsparungen Erwartungen zu wecken, die dann 2 Jahre später (nachweislich) doch nicht eingehalten werden konnten. Also: 'Je weniger Abgasverlust, desto mehr Brennstoff eingespart'.
      Mit der neuen Verkaufsmasche soll es nur jedem Heizungsbauer möglich sein, dem Kunden mit einer einfachen Gleichung vorzurechnen, dass sich ein Kessel mit weniger Abgasverlust lohnt, ja sich sogar noch durch die eingesparten Liter Öl oder m³ Gas bezahlt machen soll.
 
Das ist Bauernfängerei, ja sogar versuchter Betrug.
 
Versuchen Sie also nicht, Ihre Kunden oder Endverbraucher damit zu 'überzeugen'! Sie könnten diese Zeilen schon gelesen haben.
 

Statistik, das unbekannte Wesen.

Hier werden unzulässigerweise zwei statistische Werte vermischt und dann mit ihnen gerechnet. Das wird natürlich nicht auf den ersten Blick klar und wohl auch so beabsichtigt. Wenn nicht, wüsste ein Weltkonzern nicht, wie man Jahres-Nutzungsgrade bei Heizungen berechnet.
 
Nachhilfe:
  1. Der Jahresbrennstoffbedarf ist ein Summenwert, der durch viele kleine tägliche Verbräuche über ein Jahr gebildet wird. Darin sind alle Wärmemengen wie
    • Abgasverluste
    • Strahlungsverluste (besonders bei Warmwasser Bereitstellung)
    • Verteilungsverluste und endlich auch ein wenig
    • Nutzwärme für Sie enthalten.
    Der Jahresbrennstoffbedarf ist die Bildung einer (statistischen) Summe über ein Jahr, also über 24h * 365 Tage = 8760 Stunden.
  2. Der Abgasverlust ist ein Wert, der momentan in den wenigen Minuten bei der Verbrennung entsteht - eben nur dann, wenn der Brenner Wärme erzeugt. Er ist ein Momentanwert auf Sekundenbasis. Brennerlaufzeit sind bei Wohngebäuden ca. 17% des Jahres, also 1500 Stunden.
Richtig wäre, wenn man entweder
  1. Abgasverlust und den Verbrauch im Messintervall in die Formel nimmt, also ~1 Minuten lang.
    Nur hat man dann nicht den Jahresverbrauch drin. :-( Oder man rechnet mit
  2. dem Jahresmittel des Abgasverlustes und dem Jahresenergieverbrauch.
    Das Jahresmittel des Abgasverlustes ist nicht so einfach bestimmbar und muss (wie der Verbrauch auch) dann über ein Jahr lang gemessen werden.
Beide Ergebnisse unterscheiden sich im normalen Heizbetrieb um ~80%. Die Ergebnisse unterschieden sich nicht, wenn 'Strich' gefahren würde. Die Buderus'sche Rechnung würde also etwa stimmen, wenn Ihr Brenner die 365 Tage 24 Stunden durchlaufen würde. Tut er das?

 

Physikalisch kann man das so sehen:

In der Kessel-Auskühlphase entziehen die Strahlungsverluste allen Teilen, die heiß sind, die Wärme. Diese Zeit sind 83% des Jahres. Wenn Ihr Kessel wirklich(!) nur in der Heizzeit heiß ist, sind es immer noch 74% (von 240 Heiztagen.) Man kann es drehen wie man will, die Bereitschaftsdauer ist immer größer als die Brenndauer.
 
Auflösung des Rätsels
Beim momentanen Kesselwirkungsgrad machen die Abgasverluste den größten Teil aus, beim Jahres-Nutzungsgrad sind aber die Bereitschaftsverluste dominierend.
Und diese machen den hohen Jahresenergieverbrauch aus, über den wir uns dann wundern..

Gewichtung
Kommt Ihnen jetzt auch die Idee, dass der Abgasverlust in der Buderus-Rechnung etwas überbewertet sein könnten? Da liegen Sie goldrichtig. So etwa um den Faktor 6 (genau 5,88 - aber so genau müssen wir ja jetzt auch nicht mehr sein :-). Somit schrumpfen die 385 Liter Öl, die angeblich mit dem Abgasverlust durch den Kamin gehen, zu 65,5 Liter zusammen. Und damit auch die Einsparmenge.
 
Sehen Sie es mal so:
In Wahrkeit gehen natürlich die ganzen 3500 Liter Beispielverbrauch durch den Kamin, wo sollen Sie denn sonst landen? Denn nach dem Verfeuern von 3500 Litern Öl haben sie nicht einen Wert 'X Euro' auf Ihrem Konto, sondern haben nur ein Jahr lang eine warme Wohnung gehabt. Sie hatten also auch bei Kälte ein gutes Gefühl - mehr nicht. Die Wärme hat Ihre Wände aber längst verlassen, wenn sie wieder tanken und in die Tasche greifen müssen :-)
Der Kölner sagt dazu : 'Watt fott es, es fott'. (§4 des Kölner Grundgesetzes :-)
Man könnte auch im Umkehrschluss sagen:
Isolierung ist 6mal bedeutender als der Abgasverlust, der jährlich staatlich kontrolliert wird. Hier werden also die falschen Prioritäten gesetzt. Das hat auch Dr. Luther physikalisch bewiesen.
Hätten Sie, lieber Verbraucher, auf die Buderus-Verkäufer gehört, hätten Sie jetzt noch mal ein 10000-Euro Loch auf dem Konto durch Ihre neue Heizung.
 
'Es ist schwieriger ein Vorurteil als ein Atom zu zerstören.'
Albert Einstein

Das ist leider nicht alles, was im Moment unter Volksverdummung 'Kesseltausch' durch die Presse läuft:
 
Die VDI-nachrichten vom 16.4.04 druckten unkommentiert einen Presseartikel von der Initiative Erdgas (IEU) und der Firma Weishaupt ab, in dem behauptet wird, ohne Kesseltausch würden 2005 Hausbesitzern Bußgelder drohen.
      Kernsätze wie 'Die Anschaffung eines neuen Heizkessels macht sich schnell bezahlt' oder 'Als neutraler Ratgeber steht hier der Schornsteinfeger zur Verfügung' sollen Sie am Nachdenken hindern, Ihren alten Kessel so zu ändern, dass er die Abgaswerte erfüllen kann.
      Das ist aber einfach, wenn Sie diese Website lesen. Richtig sparen tun Sie auch dabei, weil sie ein Gefühl dafür bekommen, wo es sinnvoll ist und wo nicht.
 
Angstmache
Wozu diese unsägliche Angstmache in den VDI-nachrichten? Die Redakteure sollten auf dem Papier lieber gute, billige technische Alternativen aufzeigen als einen solch durchsichtigen Schwachsinn abzudrucken - echt schade um's Papier und die Zeit, das zu lesen.
 
Entscheidend für Ihr Konto ist immer der gesamte Jahresenergieverbrauch. Letztlich können nur Sie selbst entscheiden, ob Sie ihn vermindern wollen. Wie Sie das machen können, zeigen wir Ihnen auf dieser Website. Gut und billig.

Mehr Infos zur Statistik


[ Inhalt ]
 

Neue Kessel?

Niemand in Deutschland käme auf die Idee, Oldtimer-Autos die Fahrerlaubnis zu entziehen: Mit einer über 25 Jahre alten Gurke bekommen Sie sogar noch eine Steuermäßigung bei der Zulassung! Je älter, je leichter.
      Völlig anders dagegen die Behandlung der Hausbesitzer, die ein Oldtimer-Schätzchen als Heizung haben. Hier wird ihnen vorgeschrieben: Baust du einen neuen Motor (Brenner) ein, darfst du ihn noch etwas länger fahren - musst ihn dann aber 2008 verschrotten: kein Pardon!
Ohne neuen Motor: sofort weg damit: 2004!
 
Das sollte der Gesetzgeber mal bei des Bundesbürgers liebstem Spielzeug 'Auto' versuchen.
 

Warum dieser Vergleich?

Die Autoindustrie braucht keine Angst zu haben, weil Autos sich von selbst verkaufen - Kessel dagegen nicht, siehe oben.
      Ok, das Auto verbraucht im privaten Haushalt 'nur' 30% der Energie, Heizung und WarmWassser ca 60%, aber dafür verbrennen Heizungen den Brennstoff sauberer, machen also relativ weniger Luftverschmutzung. Das gilt selbst für die ganz alten Schätzchen im Keller, weil sie im Gegensatz zu Autos jährlich(!) überprüft werden. (Rußzahl maximal 1-2. Dieselautos: TÜV alle 2 Jahre, Rußzahl bis 6.)
      Die alten Schätzchen sind nicht schlechter als die heutigen modernen Automotoren, denn diese Motoren sind genauso wenig isoliert wie alte Kessel. Die heutigen Automotoren werden nur besser betrieben, weil sie elektronische Steuerungen haben. Das haben die alten Schätzchen aber nicht - und können deshalb auch nichts sparen.
      Nicht nur Einzelgänger haben bewiesen, dass Altkessel mit Isolierung und einer neuen, computergenauen Steuerung besser sein können als alle noch heute als besonders sparsam verkaufte Niedertemperaturkessel.
 
[ Inhalt ]
 

Isolation!

  • Autos haben eine Auslastung in der Nutzung von etwa 3,4%
  • Kessel haben witterungsbedingt eine Auslastung von etwa 30%.
Am 7. November 2003 erschien der Artikel in den VDI-Nachrichten:
'In Kunststoff gut isoliert sparen Automotoren Sprit'
Der Artikel bespricht eine Studie der FH Köln, die eine relavante Verbrauchsminderung beim normalen Fahrzyklus durch Motor-Isolation nachweist. 5 Prozent im Sommer und 9...10% im Winter. Die Autoindustrie entdeckt die Verminderung der Kaltstarts durch Motorisolierung!
 
Ist das nicht eine bemerkenswerte Menge, die man selbst bei einer so minimalen Auslastung von 3,4% wie beim Auto erreichen kann?
 
Das ist eine Größe, die die Hersteller von Heizkesseln auch schon bemerkt haben, aber nicht konsequent umgesetzt haben. Auch dort lässt sich mit Isolieren viel mehr als denkbar einsparen, entspricht doch der Heizbetrieb einem stopp-and-go beim Auto - nur 26 mal länger!
      Beim Heizkessel ist eine echte Vollisolierung um so sinnvoller, weil der Heizbetrieb mit seinen Abstrahlungsverlusten mindestens 20 Jahre * 250 Tage * 16 Stunden = 80000 Stunden(!) lang geht, beim Auto die Nutzungsszeit in der gesamten Lebensdauer aber nur ca. 3000h beträgt.
 
Heizungsingenieur Martin Havenith hat seinen 30 Jahre alten Kessel konsequent mit einem Vollisolationsmantel umgeben. Als krönender Erfolg ist der Kessel jetzt besser als ein neuer. Er hatte das sehr schön auf seiner Website dargestellt.
 
[ Inhalt ]
 

Netzwerke

Ein Computer steht 2004 in jedem Haus, Internetverbindung über TCP/IP haben 47% der Bevölkerung. Was erscheint am 30. Janur 2004 als Pressemeldung zur Nürnberger Spielwarenmesse?

  • Modelleisenbahn mit TCP/IP-Steuerung!
  • Modelleisenbahn mit WLAN-Anschluss!
Dagegen die Heizungssteuerungen heute (2004):
  • RS232 ? Ganz selten! - Kabel dazu? 'Wollen Sie das wirklich?' 'Kostet aber 600 Euro!'
  • Computer-Anschluß? Fehlanzeige!
  • TCP/IP und Browserbedienung? Nur bei Eigenbauten!
  • WLAN? Nie und nimmer!

 

Liebe Hersteller, ihr macht was falsch!

Euer Problem ist, dass ihr eure eigenen Endkunden nicht ernst nehmt.
Ihr lasst ihn nichts machen, verbietet alles, weil es so gefährlich ist, und behauptet, jede Arbeit könne nur der Fachmann durchführen. (Oft ist der Hausherr schon kompetenter als der Fachmann und muss sich dann sagen lassen: 'Er solle sich nicht um Sachen kümmern, von denen er keine Ahnung habe'. Originalton - der betroffene Hausherr ist bereit, das zu bezeugen :-)
===> Der Spieltrieb des Kind's im Manne wird nicht angesprochen und deshalb verkauft ihr auch nichts! Seht euch mal den Umsatz bei Modelleisenbahnen, Modellautos und Autos an! Der brummt.
 
Meine Überzeugung:
Offensichtlich wird die Heizungsindustrie immer nur dann aktiv, wenn sich die Aktivitäten der (kleinen) Konkurrenz absolut nicht mehr ignorieren lassen.
Beispiele
  1. Brennwert: erst bekämpft, 1980 bei Gas, 2004 bei Ölkesseln.
  2. Demnächst: Modulierende Ölbrenner.
  3. Und wenn sich's dann partout nicht mehr vermeiden lässt, sind Heizungssteuerungen auch endlich über Webbrowser bedienbar. :-)

      Auch das sind Netzwerke - Ihr Dietrich Beitzke
| Startseite | · | Bücher | Energiekrise | Rat & Tat | Recht | Kommentar - Top |

email © System Integration Beitzke
Seite erstellt am: 29.4.2004, letzte Änderung 17:01 16.4.2012, Montag