Der Einheizer 2014

Unser jährlicher Kommentar zum Stand der inzwischen 100jährigen Branche.
 
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Die Themen 2014:
  1. Die eigene Energiewende
  2. Homeautomation
  3. Warum sinkt der Ölpreis?

Die eigene Energiewende

Unsere tolle Regierung verhindert die Energiewende, also müssen wir selbst anpacken:
Wir verschieben totes Sparkapital in Investitionen, die nur uns alleine zu Gute kommen :-) Ha! Die jährlichen Erträge versuchen wir unten darzustellen. Sie sind auf jeden Fall größer als die mickrigen Zinsen von Banken, weil wir mit der einmaligen Investition jedes Jahr einsparen und bei Preissteigerungen automatisch jedes Jahr mehr!
 
Dach
Nachdem es im Obergeschoss die letzten 20Jahre bei Frost immer an einer Stelle tropfte (Kondensat), haben wir 2012 endlich ein neues Dach geplant und nicht nur gewünscht... (Da sitze ich schließlich drunter und schreibe diesen Kommentar.) Schnell war klar, dass es wegen KfW-Zuschüssen nur ein nach Passivhausstandard gedämmtes Dach sein konnte. Die Energieberaterin (ja, so was mache ich nicht selber!) hatte schnell einen Dämm-Querschnitt und die Förderanträge fertig. Angebote einholen und es konnte losgehen.
Technisch war nur ein Dachaufbau wie im nebenstehenden Bild möglich, wo wir die Steinwolle wegen des besseren sommerlichen Wärmeschutzes gegen Thermo-Hanf tauschen wollten.
Der Aufbau von innen nach außen:
  1. Brettchen zwischen den Sparren
  2. 20mm Nagelschutz für die Dampfsperrfolie
  3. Dampfsperrfolie, mäandernd zwischen allen Sparren
  4. 100mm Thermo-Hanf, fertig in Sparrenbreite geschnitten
  5. 90mm PU-Platten mit wasserdichter Folienbeschichtung
  6. Konterlattung, Lattung und Pfannen
Isolierungsaufbau Dach
Aber wer machts? Diverse Dachdecker antworteten gar nicht, andere wollten nur *ihre* Meinung durchsetzen oder waren voll mit Aufträgen bis 2014. Thermo-Hanf kannte keiner. Mit Vitamin B fanden wir schließlich einen unvoreingenommenen Firmeneigentümer, die sich als Glücksgriff erwies: Seine Leute konnten ab 2013 arbeiten und das Angebot war bezahlbar. 270m² Dachfläche waren mit sechs 3-fachverglasten Dachfenstern neu zu decken.
Wie die Einsparergebnisse zeigen, hat sich die Dachsanierung gelohnt.

Bilder zum Dachaufbau

Hanfdämmung
Nagelschutz, Dampfsperre und Hanfdämmung sind eingebracht. Hanfdämmung: Kein Kratzen, kein Jucken!
 
PU-Dämmung
Die erste PU-Dämung über der Rinne. Der ungedämmte Rand ist Dachüberstand.
 
süd
Lattung und Konterlattung auf der PU-Dämmung. Die Südseite ist fast geschlossen.
 
nord
Die Nordseite unter dem First.
 
Wir hatten Anfang 2013 totales Glück mit dem Wetter, nur an 2 Tagen konnte wegen Regen nicht gearbeitet werden. Der Kollektor wurde direkt wieder montiert und so war nur ein kleiner Minderertrag gegenüber den anderen Jahren zu bemerken:
 
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Energetische Ergebnisse bis 2015

23a Brennerlaufzeit
An der Brennerlaufzeit über 2 Jahrzehnte merkt man nur, dass ein Minimum bei Verbrauch, Einschaltungen und Lauzfeit erreicht wurde. Die 2006 durchgeführte Luftschichtisolierung mit dem Scheibentausch sind an den roten Balken danach nur minimal zu erkennen und ergeben nur 3%-Punkte Energieeinsparung.
 
Brennerlaufzeit
Nach Monaten differenziert sieht man ganz deutlich, welchen Einfluss eine glykolfreie Solaranlage hat: 5 Monate Nullverbrauch! Die violetten Säulen gelten nach Umbau auf Solar mit Heizungsunterstützung, die gelben Säulen gelten nach der Dachsanierung. Der allerhöchste Verbrauch ist der Zeitbereich ohne grundlegende Sanierungsmaßnahmen: hellblau.
 
Brennerstarts
Auch hier bei den Brennerstarts: 5 Monate Nullverbrauch! Die gelben Säulen sind nach der Dachsanierung.
 
Antriebs Energie
Der gesamte elektrische Energieverbrauch für Heizung, TWW und Datenlogger seit 1996. 2011 wurden EC-Pumpen eingebaut und 2013 die Bodenheizung mit Wärmetauscher getrennt: Deutlich sieht man eine Pumpe mehr.
 
2016 update: Die Grafiken sind zum vollen Jahrsverbrauch 2015 aktualisiert.
Ich werde mich auch bemühen, die Sanierungsschritte der Optimierung noch mal zu differenzieren und dort die Einsparungen darzustellen. Diese Grafiken dienen nur der Vorfreude :-)

Stromkosten/Heizkosten

Stromverbrauch
Wenn man merkt, dass die Stromkosten genauso hoch wie die Ölkosten werden (1000€/a), dann muss man was tun. Endlich greifen die 2013 eingeführte Stromsparmaßnahmen: Licht, Rechner, Kühlgeräte. Wir kommen dem Verbrauchsminimum entgegen und dann kann eine PV-Eigenstromanlage im Sommer die Vollversorgung übernehmen. (Strom ist hier grau, nicht gelb :-)

Licht - Glühbirnenverbot?

Es gibt 2014 inzwischen recht gute LED-Leuchtmittel in Glühobst-Form mit Beleuchtungsstärken von mehr als 1000 Lumen für unter 10€. Das entspricht in der Helligkeit etwa einer ehemaligen 100W-Birne mit nur noch 12W. Lebensdauer 25.000h, also 25mal so lange wie eine Glühbirne. Die Lichtfarbe ist mit 3000K nicht so gelb wie die der Glühbirne und die Beleuchtung erscheint daher etwas frischer. Das ist aber nicht jedermanns Geschmack. Meine Empfehlung für die Philips Master PL(23W) ist damit erloschen. Alte Leuchtstoffröhren ersetzen Sie bitte auch direkt durch LED-Röhren. Das rechnet sich sofort.
 
Wieso also stülpt Brüssel der EG ein Glühbirnenverbot über?
Da kann ich mich nur Müller's Showdown S. 257 anschließen: 'Aber welchen Gemeinschaftssinn soll das Verbot von Glühbirnen haben? Der Bürger sollte selbst entscheiden, ob er lieber mehr Strom bezahlen und dafür die Vorteile der Glühbirne nutzt oder sich alternative Leuchtmittel sucht. Das hat das Brüsseler Narrenschiff einfach nicht zu interessieren. Was geht es Brüssel an, welche Öffnungszeiten...' (Mein Lieblingsthema :-) Kurz: Demokratisierung durch Dezentralisierung!
      Gut, der Brüsseler 'St. Grobian' wusste eben nicht, dass der LED-Boom direkt danach einsetzen würde, weil a) eine Alternative vorhanden ist und b) der Strompreis so brutal steigen würde: 2014 auf 30€ct/kWh.
 
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Homeautomation

In unseren sanierten Wohnobjekten haben wir es immer mit einigen Wohneinheiten zu tun, wo sich die Mieter bei der Verwaltung beschweren, dass es nicht richtig warm würde. Es sind oft Mieter von Eigentümern, die Wohnungen als Geldanlage gekauft haben. Wenn man dann die Wohnungen und Heizkörper vor Ort besichtigt, findet man mehr und mehr elektronische Heizkörperthermostate, die auf die Minute genau gesteuert werden und erst kurz vor der Heimkehr von der Arbeit die Wohnung aufheizen (sollen). Damit kann man natürlich toll sparen, aber die Bude hat eben ungemütlich kalte Wände, besonders im Dachgeschoss.
      Messungen mit Datenloggern über 2 Wochen bestätigen den auch eine exakte Regelgenauigkeit, viel genauer als die herkömmlichen Thermostatventilköpfe. Es sind dann wirklich genau 20°C, wenn die erreicht werden. Das kann aber einem wärmegewohnten Büromenschen am PC viel zu kalt sein.
 
Das eigentliche Problem der Heimautomation offenbart sich aber ganz woanders - in dem Systemverständnis:
 
Man kann nicht sparen, wenn man die Heizkörper abdreht und dann beim Heimkommen eine warme Wohnung haben will.
  • Behaglichkeit geht nicht mit kalten Wänden!
All die Beschwerden bei Verwaltern über zu kalte Wohnungen zeigen, dass die Bewohner aus Angst vor Nebenkosten alles zudrehen und dann SOFORT eine warme Bude haben wollen: Geht nicht, weil die Hardware das nicht kann. Heizung ist anders als Elektronik. Eine Heizung ist leistungsmäßig eben nicht dafür ausgelegt, in Minuten komfortabel warm strahlende Wände zu produzieren. Bei Heimautomatisierern zeigen sich dann die kältesten Wohnungen, weil der Glaube herrscht, mit Elektronik sei alles regelbar. Und sie werden mehr und mehr...
      Je kälter die Wände sind, desto höher müssen die Heizmitteltemperaturen sein - und genau das läuft jedem Energiesparen zuwider. Die Physik lässt sich mit Elektronik nicht überlisten. Mehr Infos...
 
Abhilfe: Raumtemperatur nicht unter 19°C sinken lassen!
 
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Ölpreis/Gaspreis

Warum bricht der Ölpreis Ende 2014 ein?
Wir fragen andersrum: Warum stieg der WTI-Ölpreis seit 2007 bis über die unglaubliche Höhe von 140 USD ( 146$ in der Spitze am 7.6.2008) und stürzte dann bis zum Jahresende auf 40 USD ab? Wer hatte damals ein Interesse an so einem hohen Kurs?
 
Ölpreis seit 2002
 
Ökonom Heiner Flassbeck sagt, 'wie' das geht und eine (der vielen) Erklärungen 'warum' liefert Dirk Müller's Buch 'Crashkurs' S.122:
Die Regierung Bush mit Condoleezza Rice und Dick Cheney sagt Ihnen noch was? Die US-Ölindustrie soll Bush das Amt gekauft haben, das musste irgendwann bezahlt werden: Die US-Ölindustrie wollte doch in den US-Ost- und Westküstengebieten bohren, die unter Naturschutz standen und dort 1 Billion USD verdienen.
      Nur - wie verkauft man eine 'Lockerung' des Bohrverbots in Naturschutzgebieten? Na, mit super hohen Tankstellenpreisen und die Gründe bringt man permanent mit den Medien an den US-citzen. Die Amtszeit von Bush näherte sich 2008 dem Ende und auch Obama konnte sich dann wegen des Drucks des hohen Ölpreises nicht mehr gegen das Bohrverbot stemmen. 'Scheiß Umweltschutz, wir wollen billigen Sprit!'. Vorbei war's.

Jetzt müssen wir nur noch rausbekommen, wem der aktuelle niedrige Ölpreis 2015 schaden soll. Es gibt beim Ölpreis keinen Zufall! Ölpreis ist Machtpolitik: Ab 23.6. sinkt der Ölpreis, erste Russland-Sanktionen werden am 29.6.2014 beschlossen. Glauben Sie beim Ölpreis keiner Nachricht von Angebot und Nachfrage! Der Gaspreis folgt dem Ölpreis...nicht nach unten :-)
Ökonom Heiner Flassbeck schwimmt mit seinem Kommentar in Telepolis auch ein wenig...
16.12.2014, Dienstag - 1. Opfer: Russischer Rubel...
18.12.2014, Dienstag - 2. Opfer: Staatseinnahmen in Norwegen, Nigeria, Kanada...
31.12.2014, Mittwoch - Gewinner: Russland: Wen trifft der Ölpreisverfall?...
2015: Verlierer: USA + Europa, natürlich: Sanktionen gegen Russland - Neuer Preisanstieg im zweiten Halbjahr 2015.
 
Update 6/15
Inzwischen hat sich die Situation etwas geklärt. Anhand der von der Finanzindustrie erstellen Grafik wird schnell klar, wer weiter profitiert: Das Dreierbündnis der Billigproduzierer. Wer geschädigt wird, ist auch schnell klar: Die Ölsand- und Frackingindustrie, die jetzt ihre Kredite nicht mehr bedienen kann.
Und - oh wunder - wo hat sich der WTI-Ölpreis Mitte 2015 eingependelt? Bei 60USD:
 
Ölpreis

Denken Sie dran: Warum heißt der Bürger Bürger?
Der Bürger bürgt...für alles!
Schon Sultan Mehmed sagte 1460 zur Finanzierung des Topkapi-Palastes (Istanbul): 'Es gibt die Herrschenden und die Steuerzahler'.
Sie sehen, die Welt ist noch in Ordnung - es hat sich seit 1000 Jahren nichts geändert.
Ihr Dietrich Beitzke

 
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Seite erstellt am: 2.12.14, letzte Änderung 18:11 25.1.2016, Montag
(Die Veröffentlichung der Bilder wurde von den Abgebildeten am 4.12.14 genehmigt.)